Auf den Spuren von Usui Sensei

Schweizerischer Internationaler Reiki-Kongress

7.-8. März 2026

Federico Scotti ist ein unabhängiger Anthropologe und Reiki-Lehrer mit Sitz in Mailand, Italien. Er hat einen Master-Abschluss in Philosophie von der Universität Mailand und einen Master-Abschluss in Medizinischer Anthropologie von der Universität Ca’ Foscari in Venedig. Seine Forschung konzentriert sich auf Verkörperung, therapeutische Landschaften und zeitgenössische nicht-biomedizinische Heilpraktiken mit einem theoretischen Ansatz, der auf kulturellen und dekolonialen Studien basiert. Er ist Gründer von My Reiki und leitet jährliche Reiki-Reisen nach Japan. Seine Arbeit verbindet ethnografische Untersuchungen mit gelebter Erfahrung in ganzheitlichen und energiebasierten Heiltraditionen.

Titel: „Eine Ethnographie des Wohlbefindens am Berg Kurama“

Diese Präsentation basiert auf laufenden ethnografischen Forschungen im Rahmen der Reiki-Tour, einem jährlichen Projekt, das Gruppen italienischer Reiki-Praktizierender für eine einwöchige Reise durch heilige Landschaften, die mit den Ursprüngen des Reiki in Verbindung stehen, nach Japan bringt. An der Tour nimmt auch der Historiker Justin B. Stein teil, der historische Einblicke in das Leben und das Vermächtnis von Usui Sensei gibt. Unter der Leitung des Autors in seiner dreifachen Rolle als Anthropologe, Führer und Reiki-Lehrer entfaltet sich die Tour als eine zutiefst verkörperte und potenziell transformative Erfahrung, deren Mittelpunkt der Berg Kurama ist – ein Ort, der mythisch mit dem Gründungsmoment der Reiki-Praxis verbunden ist.

Die Forschung untersucht, wie die Teilnehmer ihre Erfahrung von Wohlbefinden durch körperliche Praktiken, gemeinsame Rituale und symbolische Auseinandersetzung mit dem Ort konstruieren, interpretieren und erzählen. Die Analyse stützt sich auf die Anthropologie des Wohlbefindens, die Phänomenologie und die Ritualforschung und wird von Schlüsselfragen geleitet:

– Was bedeutet Wohlbefinden im Zusammenhang mit einer spirituellen Reise?

– Wie entstehen körperliche Empfindungen – wie „Energie“, „Fluss“ oder „Transformation“ – innerhalb bestimmter sozialer und diskursiver Rahmen?

– Welche Rolle spielen bereits existierende Erzählungen über Reiki und Usui Sensei bei der Gestaltung von Erwartungen und Wahrnehmungen?

– Wie wird Authentizität in einem kommerziellen Kontext des spirituellen Tourismus produziert und verhandelt?

Die Präsentation geht auch darauf ein, wie die Reiki-Tour zu einer ritualisierten Form der kollektiven Erinnerungsarbeit wird, bei der die Figur von Usui Sensei nicht nur erinnert, sondern verkörpert und in der Gegenwart durch Erzählungen, Landschaften und gemeinsame Praxis reaktiviert wird. In diesem Sinne erinnert die Tour nicht einfach nur an die Ursprünge von Reiki – sie führt sie auf und verwandelt sie.

Durch die Betrachtung von Reiki als gelebte, relationale und sich entwickelnde Praxis geht der Vortrag auf das Kongressthema – „Usui Sensei und Reikis Beiträge zur Zivilisation, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ – ein, indem er zeigt, wie Erinnerung, Heilung und Transformation in zeitgenössischen Ritualformen ko-produziert werden. In diesem ethnographischen Kontext wird Reiki sowohl als eine Tradition in Bewegung als auch als ein Raum für die Vorstellung einer Zukunft der verkörperten Spiritualität und der Gemeinschaftspflege sichtbar.